In den letzten Wochen konnte ich den neuen E-Paper-Kindle mit 6″-Bildschirm* ausgiebig ausprobieren. Nachfolgend einige summarische Bemerkungen zu meinen Eindrücken – Ergänzungen in Kommentarform sind wie immer erwünscht.
Erfreulich am Kindle ist in erster Linie das Lesen von nicht oder kaum formatierten Texten. Sofern Beleuchtung vorhanden ist – gerade auch direktes Sonnenlicht – ist das Lesen sehr angenehm und schon nach wenigen Seiten stellt sich ein Lesegefühl wie bei einem gedruckten Buch ein. Relevanter Batterieverbrauch ist dabei nicht festzustellen, so dass man einen E-Paper-Kindle wohl nie gezielt aufladen muss. Dank kompakter Grösse und geringem Gewicht (170 Gramm, kleiner als ein C5-Briefumschlag) kann man den Kindle problemlos als ständigen Begleiter nutzen, auch in der Jacken-Innentasche. Da der Kindle über keine wesentlichen Funktionen als der Anzeige von Text per E-Paper verfügt, konzentriert man sich zwangsläufig auf das Lesen und erliegt keinen Ablenkungen direkt auf dem Gerät. Die Bildschirmgrösse ist für nicht oder kaum formatierte Texte völlig ausreichend.

Verbesserungswürdig ist die Verarbeitung des Gerätes: Die Qualität ist zwar ordentlich und das Gerät robust genug, im Vergleich zu Apple-Geräten wirkt der Plastik aber billig und insbesondere die Tasten zum Blättern halten hoffentlich länger durch als der haptische Eindruck vermuten lässt. Eigene E-Books und sonstige Dokumente kann man per USB-Kabel oder mittels E-Mail auf den Kindle übertragen (lassen), eine Software wie iTunes ist nicht vorhanden und eine Synchronisation zwischen Computer und Kindle mittels WLAN nicht vorgesehen (wobei 5 GHz-WLAN sowieso nicht unterstützt wird). Text, der etwas komplexer formatiert ist oder gar als PDF daherkommt, kann man auf dem Kindle häufig nicht sinnvoll lesen. Aktualisierungen der Kindle-Software erfolgen nicht automatisch, sondern müssen vom Benutzer manuell vorgenommen werden. Der Kindle ist – um einen Apple-Ausdruck zu verwenden – nicht «PC Free». Die Kindle-Nutzung ist in fast allen Aspekten statisch: So kann man beispielsweise neue bei Instapaper gespeicherte Artikel abonnieren und lesen, aber der Lesestatus wird bei Instapaper nicht aktualisiert. Einfaches Teilen von gelesenen Texten ist ebenfalls nicht vorgesehen.
Enttäuschend ist vor allem die fehlende Cloud-Synchronisation von eigenen Texten auf dem Kindle; es besteht lediglich die Möglichkeit, bei Amazon gekaufte Inhalte auf verschiedenen Kindle-Geräten sowie mit der Kindle-Software auf verschiedenen Plattformen abzurufen. E-Books, die man anderswo kauft und manuell auf dem Kindle speichert, werden nicht synchronisiert, und alternative Plattformen zur Synchronisation stehen nicht zur Verfügung. Das populäre EPUB-Format wird nicht unterstützt, sondern muss mit gewöhnungsbedürftiger Software wie Calibre konvertiert werden. Die Bildschirm-Tastatur, die mittels Steuerkreuz genutzt werden muss, ist weitgehend unbrauchbar, muss aber glücklicherweise kaum verwendet werden und für die simple Benutzeroberflächen genügen Steuerkreuz sowie Blättertasten.
Im Ergebnis zählt, wofür der Kindle verkauft wird: Lesen und zwar möglichst nahe an einem gedruckten Buch. Dafür ist der Kindle, vor allem beim heutigen Preis, äusserst empfehlenswert. Man begibt sich zwar in Abhängigkeit von Amazon, kann seine E-Books aber immerhin auf allen gängigen Plattformen lesen. und anders als bei iBooks von Apple nicht bloss auf iOS-Geräten. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht im Wesentlichen, dass eigene Texte ebenfalls synchronisiert werden könnten.
Etwaige Fragen zum E-Paper-Kindle beantworte ich gerne über die Kommentarfunktion.
Bei Amazon.de ist der E-Paper-Kindle für 99 Euro verfügbar* (rund 120 Franken). Amazon.de liefert den Kindle leider nicht in die Schweiz, doch ist das Gerät für Schweizer via Amazon.com für 109 Dollar erhältlich* (mit Versand und schweizerischer Mehrwertsteuer ergibt sich ein Gesamtpreis von rund 140 Dollar, das heisst etwas weniger als 125 Franken).
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