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Empfehlenswerte Mac-Datensicherung bei Amazon S3 mit «Arq»

von M. Steiger | 25. Juli 2010

Seit mehr als zwei Jahren sichere ich meine Daten unter anderem mit der «Jungle Disk»-Anwendung beim Amazon-Speicherdienst «Simple Storage Service», kurz S3. «Jungle Disk» funktioniert gut, wird aber in erster Linie für Microsoft Windows entwickelt und entspricht daher in Aussehen sowie Bedienung nicht einer nativen Mac-Anwendung. Aus diesem Grund war ich froh, vor einigen Tagen die Anwendung «Arq» (deutsch Arche) zu entdecken, die ebenfalls Datensicherung bei Amazon S3 anbietet, in den Grundfunktionen mit «Jungle Disk» vergleichbar ist und ausschliesslich für den Mac entwickelt wird.

«Arq» war mir bereits vor einigen Monaten durch einen umfassenden Blogartikel im mittlerweile eingestellten «macfidelity»-Weblog aufgefallen, doch hatte ich damals keine Zeit, «Arq» selbst auszuprobieren. Nachfolgend beschreibe ich meine eigenen aktuellen Eindrücke von «Arq»; wer wenig Zeit hat, kann direkt zur Empfehlung springen.

Einrichten von «Arq»

«Arq» präsentiert sich als «Time Machine» für die Mac-Datensicherung in der «Cloud» bei Amazon S3 – Daten jeder Grösse werden automatisch und ohne aufwendige Konfiguration stündlich gesichert und es findet eine Versionierung statt. Die Kosten für die Anwendung betragen einmalig USD 29.00 (USD 49 für bis zu fünf Computer im gleichen Haushalt) mit einer «Geld zurück»-Garantie bei Nichtgefallen, hinzu kommen die variablen Kosten von Amazon S3. «Arq» ist bislang nur in englischer Sprache verfügbar.

Wer bereits über ein Amazon S3-Benutzerkonto verfügt, kann «Arq» innert Minuten in Betrieb nehmen – andernfalls muss vorher ein Amazon S3-Benutzerkonto erstellt werden. In einem ersten Schritt muss man seine Benutzerangaben für den Amazon S3-Zugriff eingeben und die gewünschte Amazon S3-Speicherregion wählen, wobei für Europäer aus Datenschutz-Gründen faktisch nur Irland in Frage kommt:

Danach kann man wählen, welcher USD-Betrag pro Monat maximal für das Speichern der gesicherten Daten bei Amazon S3 aufgewendet werden soll:

Leider erwähnt «Arq» nicht, wie genau dieses Budget berechnet wird. So verwendet «Arq» standardmässig nicht den gewöhnlichen Amazon S3-Speicherplatz, sondern den etwas weniger teueren Reduced Redundancy Storage (RRS)-Speicherplatz mit reduzierter Zuverlässigkeit. In jedem Fall kommen weitere Kosten für Dateioperationen und Datenübertragungen bei Amazon S3 dazu.

Anschliessend muss man ein Kennwort eingeben, mit dem die zu sichernden Daten vor dem Hochladen zu Amazon S3 mittels AES-256 lokal verschlüsselt werden:

«Arq» zeigt nicht an, wie stark das verwendete Kennwort ist. Die Verschlüsselung mittels AES-256 ist nur sinnvoll, wenn ein entsprechend starkes Kennwort verwendet wird. Das Kennwort lässt sich bedauerlicherweise zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr ändern. Die Implementierung der Verschlüsselung ist Vertrauenssache gegenüber Stefan Reitshamer, dem Entwickler von «Arq», denn die Anwendung ist nicht im Quelltext verfügbar.

Für die Auswahl der zu sichernden Daten bietet «Arq» zwei Möglichkeiten an – entweder sichert «Arq» (fast) alle Daten im Benutzerverzeichnis oder man wählt die zu sichernden Ordner selbst aus, wobei man in jedem Fall die erfreulich übersichtlichen «Arq»-Lizenzbedingungen bestätigen muss:

Wer Letzteres wählt, erhält folgendes noch weitgehend leeres Fenster angezeigt:

Ordner kann man nun per Mausklick auf «Add a Folder for Backup», das Plus-Zeichen in der unteren linken Fensterecke oder per Klicken und Ziehen in die linke Seitenleiste hinzufügen. Klicken und Ziehen in den Fensterbereich rechts der Seitenleiste funktioniert nicht und einzelne Dateien lassen sich unerklärlicherweise nicht hinzufügen:

Innerhalb der ausgewählten Ordner können Daten von der Sicherung ausgeschlossen werden, sofern man sich mit der wenig benutzerfreundlichen Konfiguration abgeben mag:

Neben «Jungle Disk» ist «Arq» anscheinend die einzige Mac-Anwendung zur «Cloud»-Datensicherung, die alle Mac OS X-Metadaten unterstützt. In einem NetFixer beschreibt der «Arq»-Entwickler Stefan Reitshamer die Bedeutung dieser Metadaten und zeigt auf, wie «Arq»-Alternativen beim Vergleichen mittels Backup-Bouncer in dieser Hinsicht abschneiden.

Die standardmässigen Einstellungen von «Arq» sind für die meisten Benutzer nicht empfehlenswert, so dass man sie den eigenen Bedürfnissen anpassen sollte. Man sollte insbesondere abwägen, ob man tatsächlich den weniger teuren, aber auch weniger zuverlässigen RRS-Speicherplatz verwenden möchte:

«Arq»-Entwickler Stefan Reitshamer hält RRS für ausreichend:

Amazon also offers 2 classes of storage, “Standard”, and “Reduced Redundancy Storage” (RRS). RRS is sufficient for backup and is the default with Arq, but you can change this in Arq’s Preferences.

Amazon beschreibt RRS unter anderem wie folgt:

It provides a cost-effective, highly available solution for distributing or sharing content that is durably stored elsewhere, or for storing thumbnails, transcoded media, or other processed data that can be easily reproduced.

Der gewöhnliche Speicherplatz bei Amazon S3 ist deutlich teurer, bietet aber auch wesentlich mehr Sicherheit. Je nach Bedeutung der «Arq»-Datensicherung in der «Cloud» muss man entsprechend abwägen, ob RRS genügt. Ich habe mich gegen tiefere Kosten und für mehr Zuverlässigkeit, das heisst gegen RRS entschieden. In diesem Zusammenhang wäre wünschenswert, wenn «Arq» nicht standardmässig RRS verwenden, sondern dem Benutzer beim Einrichten eine informierte Entscheidung ermöglichen würde.

Ein Wechsel weg von RSS und hin zu RSS ist zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit möglich. Der Wechsel betrifft dann allerdings nur die neu zu sichernden Daten und nicht jene, die bereits bei Amazon S3 abgelegt wurden.

Standardmässig überträgt «Arq» Daten mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit. Für die meisten Benutzer dürfte aber eine angepasste Geschwindigkeit sinnvoll sein, damit andere Datenübertragungen nicht ausgebremst werden:

Die «Arq»-Datensicherung findet wie bei «Time Machine» standardmässig stündlich statt, was man als Einstellung so belassen kann:

Einen Zeitplan für die Datensicherung kann man nicht definieren. Immerhin besteht die Möglichkeit, die Datensicherung über das «Arq»-Symbol in der Mac OS X-Menübar für eine definierbare Minutendauer pausieren zu lassen:

Die «Advanced»-Einstellungen kann man grundsätzlich unverändert belassen; ich habe für mich die Anzeige von unsichtbaren Dateien aktiviert:

Alltägliche Datensicherung mit «Arq»

Nach dem Einrichten verschwindet «Arq» im Hintergrund und ist nur noch durch ein diskretes Symbol in der Mac OS X-Menübar erkennbar; die Datensicherung findet gemäss den vorgenommenen Einstellungen zuverlässig statt:

«Arq» sichert genauso wie «Time Machine» unveränderte Daten nur ein einziges Mal. Erfolgt allerdings eine minimale Änderung, werden alle entsprechenden Daten nochmals vollständig zu Amazon S3 hochgeladen – ebenfalls analog zu «Time Machine».

Beim Symbol in der Mac OS X-Menübar fällt auf, dass es nur auf Klicks mit der linken Maustaste reagiert – anders als die Apple’schen Mac OS X-Anwendungen in der Menübar. Gemäss «Arq»-Entwickler Stefan Reitshamer verfügt seine Maus nur über eine Taste

Leider geizt «Arq» mit Informationen zu Status und Umfang der Datensicherung: Die Statusangaben im Fenster der Anwendung sind dürftig und das Protokoll der Datenübertragungen ist nicht direkt zugänglich. Auch Angaben zu den laufenden Amazon S3-Kosten oder zum Umfang der gesicherten Daten sucht man vergeblich. Da bei Amazon S3 durch grössere Datenmengen durchaus erhebliche Kosten entstehen können, ist entsprechend Vorsicht geboten.

«Arq» speichert genauso wie «Time Machine» Versionen von gesicherten Dateien, aber auch diesbezüglich sind kaum Informationen vorhanden – man kann sich beispielsweise nicht die Versionen von einzelnen Dateien anzeigen lassen, sondern sich nur innerhalb von einzelnen Datensicherungen bewegen. Das Wiederherstellen selbst funktioniert glücklicherweise tadellos, insbesondere werden bestehende lokale Dateien nicht überschrieben.

(Daten-) Sicherheit von «Arq»

Die Sicherheit von «Arq» selbst lässt sich mangels verfügbarem Quelltext nicht direkt überprüfen, man muss «Arq»-Entwickler Stefan Reitshamer vertrauen. Immerhin spricht für «Arq», dass die Integrität der gesicherten Daten gewährleistet zu sein scheint, und auf Amazon S3 als Speicherdienst konnte man sich bislang verlassen, wobei mittel- und langfristige Erfahrungen mit RRS noch fehlen. Erfreulich ist, dass «Arq» die Daten vor dem Hochladen lokal mit dem gängigen und offenen Verschlüsselungsstandard AES-256 verschlüsselt. Ausserdem muss man sich um die Abhängigkeit von «Arq» kaum Sorgen machen, denn der Zugriff auf Amazon S3 besteht unabhängig von «Arq» und mit arq_restore besteht eine quelloffene Möglichkeit zum Wiederherstellen von mit «Arq» gesicherten Daten. Auch das Format der «Arq»-Datensicherung ist transparent dokumentiert.

Auf den ersten Blick unerfreulich ist allerdings, dass bislang nicht alle gesicherten Daten vollständig verschlüsselt werden – die Namen der gesicherten Ordner erscheinen bei Amazon S3 im Klartext!

Ordner können vertrauliche Informationen enthalten, bei einem Arzt oder Rechtsanwalt beispielsweise die Namen von Patienten oder Klienten, so dass «Arq» auch die Ordnernamen verschlüsseln sollte. Auf meinem Computer liegen Daten dieser Art in verschlüsselten Sparse Bundles, so dass ich von der fehlenden Verschlüsselung der Ordnernamen durch «Arq» nicht direkt betroffen bin.

Erfreulich hingegen: «Arq»-Entwickler Stefan Reitshamer habe ich auf diese Problematik angesprochen und er hat mir erfreulicherweise versichert, dass in Zukunft die Ordnernamen nicht mehr im Klartext erscheinen sollen.

Kaufempfehlung für «Arq»

Im Gesamtergebnis habe ich mich entschieden, für meine Datensicherung bei Amazon S3 von «Jungle Disk» zu «Arq» zu wechseln:

Ich kann allen erfahrenen Mac-Anwendern, die ihre Daten bei Amazon S3 sichern möchten und Wert auf Sicherheit sowie Unabhängigkeit von spezifischen Anwendungen legen, den gleichen Schritt empfehlen – insbesondere auch, weil «Arq» trotz einigen Mängeln und Möglichkeiten zur Verbesserung die einzige Mac-like Anwendung zur Datensicherung bei Amazon S3 ist. «Arq» ist nicht perfekt, aber die entscheidenden Punkte für komfortable, sichere und zuverlässige Datensicherung in der «Cloud» wurden bei der Entwicklung berücksichtigt – im Gegensatz zu vielen anderen Anwendungen dieser Art …

Für weniger erfahrene Mac-Anwender ist «Arq» leider noch nicht «Time Machine» für die Amazon S3-«Cloud», denn vor der Nutzung von «Arq» muss man ein Amazon S3-Benutzerkonto einrichten. Da sich Amazon S3 nicht an Endbenutzer richtet, ist dieses Vorgehen nicht jedermanns Sache. Auch danach fehlen innerhalb von «Arq» häufig Informationen für weniger erfahrene Benutzer. Mit etwas mehr Benutzerfreundlichkeit und sowie verbesserter Mac-Likeness hat «Arq» aber durchaus das Potenzial, früher oder später zur «Time Machine» für die «Cloud» zu werden und damit auch weniger erfahrene Anwender anzusprechen.

Weitere Information zu «Arq» sind online unter http://www.haystacksoftware.com/arq/ verfügbar. Etwaige Fragen zu «Arq» beantworte ich gerne über die Kommentarfunktion; Entwickler Stefan Reitshamer ist per E-Mail oder via Twitter erreichbar – übrigens mit äusserst kurzen Reaktionszeiten und Kundenfreundlichkeit, wie man sie leider viel zu selten erlebt!

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40 Kommentare

    • Aber was ist denn der Unterschied zu einem Service wie Backblaze (www.backblaze.com)?

      Der Hauptunterschied liegt darin, dass man sich voll und ganz auf Backblaze verlassen muss, da Software zur Datensicherung und Speicherdienst nicht getrennt sind. Bei «Arq» (und «Jungle Disk») kann man auch ohne die Software zur Datensicherung auf seine gesicherten Daten zugreifen, da man über einen unabhängigen Zugang zum Amazon S3-Speicherdienst verfügt.

      Backblaze probierte ich vor einigen Monaten aus und notierte mir damals die folgenden Mängel:

      • Keine vollständige Unterstützung von Mac-Metadaten, so dass nach einer etwaigen Wiederherstellung Probleme möglich sind – wobei Blackblaze Mac-Metadaten vergleichsweise umfassend unterstützt, aber eben nicht vollständig;
      • Nutzen der verwendeten Verschlüsselung fraglich, da man sich die gesicherten Daten auch entschlüsselt auf Datenträgern zusenden lassen kann – in jedem Fall muss man zur Wiederherstellung sein Passwort auf der Backblaze-Website eingeben;
      • Auswahl der zu sichernden Daten in Form von Laufwerken, danach aufwendiger Ausschluss von nicht zu sichernden Daten;
      • Wiederherstellung von Daten nicht in der Mac-Anwendung, sondern nur über die Backblaze-Website;
      • Vollständige Abhängigkeit von Backblaze für Zugriff und Wiederherstellung der Daten.

      Möglicherweise sind zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr all diese Mängel zutreffend.

      Einen grossen Vorteil haben Backblaze und Co. gegenüber «Arq» – sie verrechnen nicht in Abhängigkeit von der genutzten und übertragenen Datenmenge wie Amazon S3, sondern zum Pauschalpreis von üblicherweise 5 USD/Monat.

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  2. Hallo Martin,

    vorab Entschuldigung für den langen Kommentar.

    Insbesondere jecoh vielen Dank für den tollen Artikel – gerade vor dem Hintergrund, dass Backups häufig vernachlässigt werden, Online-Backups in meinen Augen eine ideale Ergänzung darstellen und die meisten, die sich für Online-Backup-Dienste entscheiden, leider doch oft in den Händen der eher mittelmäßigen Anbieter landen. Seit einigen Monaten verwende ich auch Arq und kann Deine Empfehlung absolut nachvollziehen.

    Falls fur jemanden interessant, ein paar meiner Erfahrungen ergänzend:

    Zur Berechnung des S3-Budgets: Wenn ich mich richtig erinnere, berechnet Arq das Budget anhand des S3-Speicherplatzes, den man verwendet. Der Datenverkehr (im Moment, glaub ich, sowieso kostenlos) wird nicht in die Berechnung eingeschlossen. Eins muss man jedoch wissen: Reicht das festgelegte Budget nicht aus, um alle in Arq angegebenen Ordner zu sichern, hält Arq trotzdem eine Version jeder zu sichernden Datei auf S3 vor. (Dieses Verhalten kann sicher jeder Anwender unterschiedlich werten. In meinen Augen ist es für eine Backup-Software sinnvoll. Ob man gewarnt wird, wenn das Budget hierdurch überschritten würde, weiß ich nicht.)

    Dass man bei Arq im Vergleich zu Backblaze, Mozy, Carbonite und CrashPlan verbrauchsbasiert für den Speicher zahlt, kann man in meinen Augen weder positiv noch negativ werten. Das hängt von dem jeweiligen Nutzer ab. Ich bleibe mit Arq jeden Monat deutlich unter 5 USD.

    Auch wenn ich monatlich über den 5 USD landen würde, wäre Arq dennoch meine bevorzugte Backup-Lösung: Denn fast alle der obigen Anbieter arbeiten mit Tricks, um zu vermeiden, dass die Kunden hohe Datenmengen sichern. Einige schließen zum Beispiel externe Speichermedien (wie Festplatten) automatisch vom Backup aus. Andere sichern Multimedia-Dateien nicht mit. Wieder manche erlauben zwar Backups von externen Speichermedien, löschen aber ohne Weiteres diese Backups, sobald das Gerät nicht innerhalb der letzten 30 Tage angeschlossen war. Schließlich möchten einige Anbieter ihre Kunden davon abschrecken, große Datenmengen zu sichern, indem sie die Upload-Geschwindigkeit zu ihren Servern künstlich drosseln. Das alles kann leicht den Vorteil einer so beworbenen “Backup-Flatrate” nivellieren. Teilweise erfährt der Nutzer von diesem “Kleingedruckten” erst, wenn es zu spät ist und er sich notgedrungen mit einer Wiederherstellung der Daten beschäftigen muss. Dann kann ein solcher Backup-Dienst sich plötzlich als teures Placebo herausstellen.

    Zusätzlich zeigt der (von Dir auch angesprochene) Test der Backup-Qualität mittels Backup Bouncer recht deutlich, dass weder Backblaze, Mozy, Carbonite noch CrashPlan wirklich sich die Mühe machen, die spezifischen Anforderungen des Backups eines Mac OS X-Systems zu erfüllen.

    Ein letztes Beispiel wie fragwürdig die Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit bei diesen vier Anbietern ist, zeigt das Beispiel eines Anwenders, dessen CrashPlan-Backups sich als korrupt rausstellt, obwohl CrashPlan explizit damit wirbt, die Integrität der Backups dauernd zu überprüfen. Hier der ursprüngliche Artikel: http://try-dot-ch.blogspot.com/2010/03/crashplan.html Und hier der Follow-up-Artikel: http://try-dot-ch.blogspot.com/2010/04/crashplan-part-two.html Nachdem CrashPlan offensichtlich einen Fehler gemacht hat, wir abgewiegelt, geleugnet, falsche Tatsachen behauptet oder (lange) nicht reagiert. Ein Paradebeispiel für schlechte Unternehmensführung unter unmittelbarer Beteiligung der Geschäftsleitung.

    Wie von Dir angesprochen, sehe auch ich ein realistisches Risiko darin, dass einer dieser “proprietären” Anbieter pleite geht oder von einem Tag auf den anderen seinen Dienst einstellt. Dann sind alle Backups unmittelbar verloren. Dieses Risiko gehe ich mit Arq nicht ein. Der Speicher ist unabhängig von dem Entwickler, es ist allein mein Speicherplatz und mit Amazon steht eine Internetgröße dahinter, deren “business continuity risk” ich eher geringer als das von Carbonite, Mozy, Backblaze und CrashPlan einschätze. Sollte der Entwickler Arq nicht mehr weiter unterstützen, ist das dank seines Open Source-Wiederherstellungsprogramms auch keine Sackgasse für den Anwender.

    Letzteres relativiert in meinen Augen auch die Wichtigkeit der Transparenz hinsichtlich des Quellcodes von Arq ein, da man anhand dieses Entschlüsselungstools ja (zumindest als Sachverständiger) nachvollziehen können müsste, ob tatsächlich etwas entschlüsselt wird oder nicht. ;-) Da Du JungleDisk verrwendet hast: Ist dort der Quellcode verfügbar?

    Zuletzt zu Standard-S3 vs RRS-S3: Ich bleibe bereits mit Standard-S3 monatlich unter 5 USD. Die monatlichen 5 Cent pro GB ist mir die zusätzliche Sicherheit mehr als wert, was wiederum sicher eine rein subjektive Entscheidung ist.

    Vielen Dank auch für Deinen Verweis zu dem macfidelity-Artikel. ;-)

    • Schade, dass diese WordPress-Plugin zum nachträglichen Korrigieren der Rechtschreibung eines Kommentars nicht mehr kostenlos ist, sondern könnte ich noch etwas “fein schleifen”. ;-)

    • Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!

      Das erwähnte Problem bei Crashplan war Mitte April Thema bei MacMacken: http://www.macmacken.com/2010/04/17/crashplan-ohne-zuverlaessige-datensicherung/

      Die Resonanz war leider bescheiden.

      Letzteres relativiert in meinen Augen auch die Wichtigkeit der Transparenz hinsichtlich des Quellcodes von Arq ein, da man anhand dieses Entschlüsselungstools ja (zumindest als Sachverständiger) nachvollziehen können müsste, ob tatsächlich etwas entschlüsselt wird oder nicht.

      Meine Sorge ist nicht, dass keine Verschlüsselung stattfindet, sondern dass die Verschlüsselung mit Schwachstellen implementiert wurde. In dieser Hinsicht muss man dem Entwickler vertrauen.

      Mir erscheint der «Arq»-Entwickler kompetent, auch wenn er die «Arq»-Konfigurationsdateien nicht am dafür vorgesehenen Ort ablegt und das Problem mit den Ordnernamen im Klartext übersehen hat. Abgesehen davon ist «Arq» in fast allen Dingen vorbildlich und man merkt, dass der «Arq»-Entwickler die Konkurrenz und ihre Schwächen hervorragend kennt.

      Da Du JungleDisk verrwendet hast: Ist dort der Quellcode verfügbar?

      «Jungle Disk» hatte den Quelltext für das Wiederherstellen der gesicherten Daten veröffentlicht. Auf Anhieb war es mir soeben allerdings nicht möglich, die Download-Möglichkeit zu finden. Bei «Arq» liegt der Quelltext erfreulicherweise bei github, so dass man den Quelltext problemlos findet … nun müsste man ihn bloss noch ausprobieren! ;)

      Schade, dass diese WordPress-Plugin zum nachträglichen Korrigieren der Rechtschreibung eines Kommentars nicht mehr kostenlos ist, sondern könnte ich noch etwas «fein schleifen».

      Ich habe leider noch keine Alternative gefunden – Tipps sind weiterhin willkommen!

      Aktualisierte Kommentar-Versionen nehme ich jederzeit per E-Mail entgegen und pflege sie dann so schnell wie möglich sein.

      • Vielen Dank für das Angebot, den Kommentar noch zu ändern. Aber das ist den Aufwand sicher nicht wert.

        Bezüglich CrashPlan hast Du natürlich recht, dass ich dank meines Google Reader-Abos von MacMacken erst über Dich darauf aufmerksam geworden war. Tut mir leid, dass ich das gerade nicht mehr parat hatte.

        JungleDisk habe ich leider nie aktiv benutzt. Mehrfach habe ich jedoch den Eindruck gehabt, dass JD deutlich an Attraktivität verloren hat, seitdem es durch Rackspace erworben wurde. Die sympathische und transparent/ehrlich wirkende “Kultur”, die JD davor hatte, hat sich nach meinem Eindruck nicht gehalten. Stimmt das mit Deinen Erfahrungen überein?

      • Ja und nein – einerseits besteht nun nicht mehr der direkte und persönliche Kontakt mit Entwicklern sowie dem übrigen überschaubaren Benutzerkreis, andererseits gewährleistet Rackspace ein höheres Mass an Kontinuität.

        «Jungle Disk» verfolgte anfänglich übrigens das gleiche Geschäftsmodell wie «Arq» – man bezahlte nur einmal für die Anwendung. Danach kamen zusätzliche Funktionen im Abonnement dazu, nun gibt es «Jungle Disk» nur noch im Abonnement, teilweise mit einer gewissen Menge an Speicherplatz im Preis inbegriffen. Mal sehen, wie lange «Arq» beim Geschäftsmodell mit einer einmaligen Zahlung bleibt – letztlich funktioniert dieses Geschäftsmodell nur, wenn ständig Neukunden gewonnen werden können.

      • Zum Beispiel diesen im Monatsabonnement inbegriffenen Speicherplatz bei den aktuellen Lizensierungsmöglichkeiten von JungleDisk karikiert in meinen Augen den Vorteil dieser Software.

        Als ich mich – ca. zur Zeit des Arq-Reviews – auch für JungleDisk interessiert hatte, wurde dieser Inklusivspeicherplatz als “managed S3″ bezeichnet. Auf Nachfrage bei Rackspace wurde mir erläutert, dass die Daten dieses Inklusivvolumens zwar auf S3 gespeichert werden – jedoch auf einem S3-Konto von Rackspace. Das ist natürlich prinzipbedingt. Jedoch verliert man dadurch in meinen Augen einen zentralen Vorteil von JungleDisk ggü. Mozy und Konsorten.

  3. @fellowweb

    bzgl Crashplan und dem vielzitierten Bug lohnt es sich mal etwas weiter zu lesen. Da ich die kommerzielle Variante schon laenger mit mehreren eigenen Servern verwende hatte ich mir den Spaß mal gemacht. Kurzum: die mittelfristige reaktion von seiten Crashplan Team war sehr gut – wenn ich ehrlich bin sogar in der Form/Fülle extrem selten im Vergleich zu anderen Firmen …. mein Eindruck.

    Gruss
    fidel

    • Danke, fidel. Hast Du das auch in den zwei Artikeln auf dem schweizerischen Blog gelesen oder noch irgendwo anders?

      Denn ich glaube mich zu erinnen, zumindest die Artikel auf diesem Blog damals trotz des Umfangs komplett gelesen zu haben.

    • Nachtrag: Denn bis auf diese Erfahrung hatte ich den Eindruck, dass CrashPlan als einziger attraktive Anbieter auf diesem Feld verbleibt.

    • CrashPlan ist tatsächlich eine gute Wahl, wenn man mit Schwächen bei der Verschlüsselung sowie der nicht vollständigen Mac-Metadaten-Unterstützung leben kann, und sich nicht an der direkten Anbieter-Abhängigkeit stört.

  4. Seit ich mit Dropbox arbeite, sind Backups zum Glück nicht mehr so überlebenswichtig. Live-Daten für alle im Netz + automatisches Backup mit Versionierung finde ich da bequemer, auch wen das sicherlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

      • Ein Backup ist doch wohl eine Datensicherung und mit Dropbox sind die Daten automatisch gesichert. Verstanden?

      • Dropbox wird inzwischen auch für Datensicherung beworben, aber wurde ganz offensichtlich ursprünglich nicht dafür entwickelt – dazu fehlen unter anderem die Möglichkeiten, beliebige Daten zur Datensicherung auszuwählen und die gesicherten Daten abzusichern.

      • Eigentlich kann man ja mittlerweile darauf warten, dass einer diesen dämlichen Dropbox-Kommentar (am besten stets von einem Referral-Link flankiert) bringt, sobald das Stichwort Backup irgendwo aufzutauchen droht.

        Dropbox ist kein Backup-Tool. Es kann zufällig zum Herstellen einer verlorenen Datei (meistens nur in der letzten Version) verwendet werden. Das qualifiziert es jedoch nicht zu einem Backup-Tool.

        Dropbox ist ein Tool zum Synchronisieren von Dateien zwischen mehreren Rechnern/Geräten und zum Austausch von Shared Folders zum Zweck der Zusammenarbeit.

        Wenn Du Dich für Backups auf Dropbox verlässt, machst Du etwas falsch.

      • Welcher Kommentar hier dämlich ist, ist sicherlich Ansichtssache und das ich mich alleine auf DropBox als Backup verlasse, habe ich auch nicht gesagt. Außerdem kann ich sehr wohl deutlich mehr als nur die letzte Version wiederherstellen.

        Im Endeffekt ist DropBox nicht wirklich weit von einem Backup entfernt und macht für mich ein zusätzliches Online-Backup absolut überflüssig. Mir erschließt sich auch nicht, was ich da falsch machen soll.

      • Ich kann Dir vollkommen zustimmen. Wie Du sagst, ist Dropbox keine Backup-Software, aber nicht weit davon entfernt.

        Da Dropbox jedoch keine wirkliche Backup-Software ist, halte ich es für ungeschickt, wenn jedes Mal Dropbox als Online-Backup-Alternative genannt wird und irgendwann andere Leser das auch zu glauben anfangen, ohne dass sie durch eine klare Abgrenzung auf die Unterschiede hingewiesen werden.

        Welche Dropbox-Variante nutzt Du?

        (@Martin, spricht es nicht ungemein für Deine Leserschaft, dass hier immer noch kein Dropbox-Referral-Link aufgetaucht ist? ;) )

      • Ich nutze die 50 Gig-Variante von DropBox, werde es aber bald auf 100 Gig hochsetzen (müssen).

        Ok, wegen den ganzen Referral-Links in Kommentaren bei Beiträgen zu DropBox oder ähnlichen Themen, kann ich den Unmut dazu schon verstehen. Allerdings sind für mich (oder besser für uns hier im Büro) Online-Backups damit überflüssig geworden und das ist für Leser hier vielleicht auch nicht ganz uninteressant.

        Arq hatte ich zwar noch nicht ausprobiert, allerdings Mozy und Co. und war mit nichts wirklich zufrieden. Jetzt hab ich alles sowieso online gesichert und mit parallel laufenden TM-Backups fühle ich mich auch relativ sicher.

      • @Mario,

        ich wollte Dropbox auf keinen Fall schlecht machen. Ich nutze es auch und bin superzufrieden.

        Noch zwei Anmerkungen: Für einen Privatnutzer mag ein Preisvergleich zwischen Arq und Dropbox etwas interessanter sein als für Dich im geschäftlichen Umfeld. Denn die GB-Preise, die Dropbox verlangt, sind im Vergleich recht hoch – gerade da die Staffelung der angeboteten GB-Pakete ziemlich “grob” ist und man im Gegensatz zu S3 pauschal (unabhängig von der konkreten Nutzung) zahlt.

        Verwendet man Dropbox für Backups muss man sich im Klaren darüber sein, dass in den regulären Tarifen nur die Daten der letzten 30 Tage wiederhergestellt werden können: “30 days of undo history, with unlimited undo available as a paid option.” Je nach Anwendungsfall kann man sich dann in falscher Sicherheit wiegen.

        Nichtsdestotrotz ist Dropbox fantastisch. Jetzt kann ich ja auch die Katze aus dem Sack lassen: Da ich (zwar nicht intime, aber) wichtige Dateien – aufgrund des “doppelten Bodens” von Dropbox – speichere, habe ich Arq so eingerichtet, dass es meinen Dropbox-Ordner mitsichert. ;)

      • Eigentlich kann man ja mittlerweile darauf warten, dass einer diesen dämlichen Dropbox-Kommentar (am besten stets von einem Referral-Link flankiert) bringt, sobald das Stichwort Backup irgendwo aufzutauchen droht.

        Ich habe solche Weblinks in Kommentaren auch schon toleriert, aber sie müssen als solche deklariert werden. Grundsätzlich begrüsse ich aber Benutzer, die für eine Anwendung «werben», weil sie davon überzeugt sind, und nicht, weil sie damit einen wirtschaftlichen Vorteil erlangen können.

  5. Hallo, komme ich an meine ge’Backup’ten Daten auch ohne Arq ran? Wenn mein MacBook beispielsweise zur Reparatur ist und ich ein paar Daten auf meinem Linux-/Windows-PC benötige.

    Das sehe ich gerade als einzigen Vorteil von JungleDisk. Dort kann ich auch über den Browser auf meine Daten zugreifen.

    Viele Grüße
    Nico

    • Einen direkten Weg kenne ich nicht.

      Martin hat oben schon das Tool arq_restore erwähnt, dessen Quellcode verfügbar ist. Vielleicht lässt sich dies auch unter Windows/Linux verwenden, wobei das sicher nur ein Notbehelf ist. Wenn Du als Ersatzgerät noch einen anderen Mac zur Verfügung hast (vielleicht in der Familie oder im Freundeskreis), ist es sicher einfacher: Dann kannst dort (temporär) Arq installieren und die benötigten Dateien aus Deinem S3-Speicherplatz zum Beispiel auf einen USB-Stick runterziehen.

      Als Randbemerkung: Unter Windows gibt es – quasi als Arq-Äquivalent – CloudBerry, um Backups auf einen eigenen S3-Account zu machen. Das Format, in dem CloudBerry und Arq die Backups auf S3 ablegen, wird sich jedoch sicher unterscheiden.

    • Hallo, komme ich an meine ge›Backup›ten Daten auch ohne Arq ran? Wenn mein MacBook beispielsweise zur Reparatur ist und ich ein paar Daten auf meinem Linux-/Windows-PC benötige.

      Ohne Mac gibt es keinen komfortablen Web um mittels «Arq» gesicherten Daten wiederherstellen zu können. Den Weg für den Fall, dass «Arq» nicht mehr verfügbar sein sollte, hat fellowweb bereits beschrieben.

      Das sehe ich gerade als einzigen Vorteil von JungleDisk. Dort kann ich auch über den Browser auf meine Daten zugreifen.

      Aus Sicherheitsgründen nutzte ich diese Möglichkeit bei «Jungle Disk» nie.

  6. Ich verwende Arq auch. DIE grosse Schwäche ist aber die GUI. Es gibt keine Übersicht, was gesichert wird. Ideal wäre eine Finder-artige Baumansicht, wie es andere Programme haben. Bei Filtern zum Ausschliessen sieht man nicht, was man tatsächlich ausschliesst. Und ein Protokoll fehlt wie oben beschrieben. Da müssen noch Verbesserungen her!

  7. Pingback: Offsite-Backup mit Arq auf dem Mac » ipfreaks.de

  8. Pingback: Datensicherung am Mac bei Amazon mit Arq : AREA85

  9. Hi,

    Arq schein toll zu sein. Daher meine letzte Frage bevor ich den Kauf tätige:

    Kann man mit diesem Programm ALLES sichern oder nur seinen User-Ordner?

    Würde nämlich gerne das OS X und auch die installierten Programme sichern.

    Hat das jemand ausprobiert?

    Danke und Gruß
    Sergio

  10. Ich wünschte mir, Arq würde sich auf Backups beschränken und dort besser werden. Syncen, sharen, Web Access können andere Programme schon gut.

    I wished Arq would remained focus on backups and improve in this area. Syncing, sharing, web access are available with other capable programs.

  11. I agree. It’d be your choice whether you want to access your backups through my web site. Worst-case, you’d have to enter your S3 keys and trust that I don’t abuse them. I’ll probably open-source the code so you could set up your own web site instead.

    But I’m investigating things like the Cappuccino framework for perhaps building a web app that’s all Javascript running in your browser, so you wouldn’t have to enter your S3 keys into any web site.

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