Nachfolgender Blogeintrag stammt von MacMacken-Leser Ralf Wenzel, der freundlicherweise erneut einen umfangreichen Gastbeitrag für MacMacken verfasst hat.

«Denn wer schwimmen will, muss zu Flüssen gehen» – Dieser Satz ist von Sir Isaac Newton (Mathematische Prinzipien der Naturlehre, 1687) und an den Newton will ich erinnern. Nicht an den unter dem Baum sitzenden, sondern an den eckigen, der in völlig anderer Form mit «Apfel» zu assoziieren ist.
So einen Newton (2100d) hatte ich nämlich schon Ende der 90er. Nun ist er verkauft und ich trauere ihm nach. Gerade jetzt, wo ich ein iPhone besitze, stelle ich fest, dass das Gedächtnis bei Mitarbeitern der Firma Apple scheinbar nicht so sonderlich gut ist.
Der Newton hatte eine Zwischenablage und ein wegweisendes PIM-Konzept. Es war teilweise Standard, teilweise durch App erweiterte Funktionalität («MoreInfo», wenn ich mich recht erinnere), dass man Termine, Aufgaben, Kontakte und Dateien einander zuordnen konnte. So hatte ich beim Öffnen des Terminkalenders die Kontaktdaten aller Beteiligten (insbesondere bei Verspätungen wichtig!), die notwendigen Notizen und den Status aller Aufgabe, die mit dem Termin in Verbindung stehen, auf einen Tipp verfügbar. Oder eine Liste aller Termine, Anrufe und Aufgaben zu einem Kontakt – gerade wichtig bei der Frage «Wann hab ich den noch gleich das letzte Mal gesehen?» oder «Was hatte ich noch gleich mit dem besprochen?».
Um keine Vergleiche zu provozieren (das ist jetzt meine persönliche Vermutung) hat Apple dem iPhone gar kein App dieser Art beigelegt, auch iCal auf dem iPhone kennt keine Aufgaben. Aber mal ehrlich: Einer Softwarefirma, die To-Do-Listen in ein Mailprogramm (!!!) einbaut, ist viel Schwachsinn zuzutrauen.
Also ab in den App Store: Wenn wir uns den Markt angucken, sehen wir eine Lawine von To-Do-Apps, die fast alle fast gleich sind, bis hin zum Programmsymbol, das stets einen «Haken» ziert. Das eine oder andere Problem bringt eine nette Idee mit ein, hat aber grausige Nachteile, die leider alles wieder kaputtmachen.
So beherrschen viele keine wiederholenden Aufgaben. Ich frage mich, was für Leute das sind, die sowas kaufen. Things und OmniFocus kann man wiederholende Tasks nur dann beibiegen, wenn man die teure Desktop-App dazukauft – und dann eben immer noch nicht unterwegs, sondern nur am Rechner. OmniFocus kann aber etwas, was erstaunlicherweise sonst keine der Applikationen kann: Anhand des Ortes die Aufgaben sortieren. So sind im Büro die beruflichen Aufgaben höher priorisiert als daheim. Das ist eine typische iPhone-Funktionalität: Man fragt sich, warum das nicht alle so machen.
Appigo ToDo kann das (wie alle anderen) nicht, und hat auch nur sehr spärliche Wiederholungsoptionen (wie viele Termine sind nicht «an jedem zweiten Dienstag im Monat»? – nicht einstellbar!), kennt aber ohne Desktop-App wiederholende Aufgaben und kann Aufgaben delegieren (per Mail versenden, in der dann ein Link ist, den der Empfänger öffnet um die Aufgabe in sein Appigo ToDo zu importieren). Das funktioniert allerdings nur, so lange die Notiz nicht zu lang ist, dann ansonsten wird die Operation ohne Meldung (!!!) einfach nicht ausgeführt. Auf die Ursache kam ich durch Testreihen.
«Remember The Milk» (kurz RTM) preist sich als kostenlos an, aber ohne kostenpflichtigen Pro-Account ist es praktisch nicht nutzbar.
«EasyTask Manager» stürzt gern ab und shreddert dabei Daten – von daher indiskutabel.
«Toodledo» hat die wohl gleichförmigsten ToDo-Listen der Branche – dass ein iPhone Farben darstellen kann scheinen die Entwickler noch nicht bemerkt zu haben.
«Done» ist da ganz anders. Man hat für jede Liste eine Farbe, so dass man auch in umfangreichen Listen schnell ohne Filter zum Beispiel berufliche Aufgaben wiederfindet. Warum ich aber das iPhone schütteln muss um die Aufgaben zu sortieren, wird mir nicht klar – ich lege Wert darauf, dass die Listen stets sortiert sind! Die Funktionalität, dass man eine Todo-Liste auf den «Sperrbildschirm» legen kann, ist eine nette Idee, aber zu statisch, weil man das händisch machen muss.
Zum Schluss noch: «Ultimate ToDo» weckt mit seinem hochtrabenden Namen Begehrlichkeiten, denen das Programm leider nicht gerecht wird. Zwar gibt es lobenswerterweise einen ganzen Satz von Symbolen für Tags und Contexts, aber die scheinen recht zufällig ausgewählt zu sein. Ein «Home»-Häuschen ist zwar da, das dazu einlädt, es zu benutzen. Aber ein «Büro-Gebäude» findet man wiederum nicht. Warum ist ein Bus (!) bei den Symbolen dabei? Ein Behinderten-Piktogramm? Pfeile in alle vier Richtungen? Kein einziges Symbol ist dabei, das man mit «Online» assoziieren könnte. Oder mit «Familie». Wenn schon viele Symbole, dann doch bitte so, dass man eigene einbringen kann, Ideen hätte ich genug und Tags und Kontexte wären viel schneller zu erfassen. Zum Beispiel heirate ich in wenigen Wochen, so dass ich mehrere Listen zur Hochzeitsplanung habe. Außerdem sind die Bilder oft nicht zu erkennen, so klein und schlecht kontrastiert wie sie sind.
Ich will die anderen Apps gar nicht alle aufzählen. Was ich will, ist eine GTD-App, die folgendes kann:
- Verküpfungen zu iCal-Terminen, Adressbucheinträgen und einem Programm für freie Notizen herstellen – idealerweise in beide Richtungen.
- Aufgaben an andere Nutzer mit dem gleichen Tool delegieren, idealer wäre noch wenn die «Completed»-Markierung an den Delegierenden zurückgemeldet würde.
- Ich möchte gern unterschiedliche Aufgabentypen haben, die wirklich nutzbar sind. Liebe Appigo-Entwickler: «Einen Ort besuchen» trage ich nicht in eine ToDo-Liste ein, sowas mache ich wenn ich dort einen Termin habe – und Termine gehören (auch nach «GTD-Standard») in einen Kalender.
- Vernünftige, durchdachte und konsistente Verwendung von Farben und Grafiken / Piktogrammen.
- Praxisnahe Wiederholungsoptionen (… jeden zweiten Dienstag im ungeraden Monat …).
- Die ortsabhängige Sortierung von OmniFocus ist wegweisend!
- Liebe Entwickler, ich weiß, dass eure Programme nicht im Hintergrundlaufen und daher keine Aufgabenlarme ausführen können – ist wirklich noch keiner auf die Idee gekommen, einen Termin im iCal per Schnittstelle anzulegen oder geht auch das nicht? Terminname «To-Do-Alarm», Datum und Zeit auf Due Date / Time und «Alarm bei Terminbeginn» (oder eine vorwählbaren Zeitraum davor) – fertig.
Stattdessen verschwenden Entwickler ihre Zeit damit, die 52. Eieruhr zu programmieren, wo doch die erste schon von keinem Menschen gebraucht wurde.
In diesem Sinne … ![]()



ja einfach genial! genauso geht es mir auch! 100% agree xD
Ich habe bislang jedes to-do-listen-app getestet.. keines bietet mir alle benötigten funktionen.
Ich stimme mit der Liste absolut überein!
Würde dafür auch auf jeden fall Geld bezahlen!
Der Zugriff auf den iPhone-Kalender von externen Apps ist nicht möglich (außer über Jailbreak). Da muss Apple mal nachbessern, oder generell gleich Apps im Hintergrund laufen lassen erlauben. Und dann wäre da noch Copy&Paste etc. etc. Auf Seiten wie http://pleasefixtheiphone.com/ finden sich da eine Menge Bugfixrequests. Sollte Apple mal anschauen. Das iPhone ist in Sachen Bedienung meiner Meinung nach der Vorrreiter – aber das reicht einfach nicht, und wenn Apple nicht aufpasst. werden sie von irgendjemanden überholt. Bei webOS gibt’s z.b scho Multitasking und solche Zugriffsbeschränkungen wahrscheinlich auch nicht.
Das mit den Hintergrundprogrammen kannste knicken, weil sich dann jeder Hampelmist in den Hintergrund stellt und die Prozessoren einfach nicht leistungsfähig genug sind dafür. Und den Ruf, das iPhone sei langsam, will sich Apple nicht anhaften lassen.
Aber Schnittstellen wären schon wichtig. Jailbreak kommt mir nicht ins Haus.
Achso, Nachtrag zum Artikel: Beim nächsten Mal suche ich mir ganz bestimmt eine andere Softwarekategorie zum Testen aus
Für Sachen wie IM-Clients sind Hintergrundfunktionalitäten einfach ein muss – schließlich will man erreichbar sein UND sein Smartphone trotzdem weiter benutzen. Oder man will einem Kontakt schnell eine Info per IM durchgeben, die im Kalender steht. Dann muss man den Kontakt erstmal erklären, dass man ein iPhone besitzt und deswegen beim wechseln in die Kalenderapp offline gehen muss. Alles in den Hintergrund hauen ist natürlich Blödsinn (wie manche Programme unter Windows einen Quick Launcher mitbringen, der beim Start das Programm in den Hintergrund lädt, obwohl man die App vielleicht eher selten benutzt -> Bootvorgang ist extrem langsam).
Das mit den Jailbreak ist für mich auch keine Alternative. Das Risiko das Gerät zu beschädigen ist einfach zu groß.
Bei meinem Nokia-Smartphone funktioniert Multitasking sehr gut – die Geschwindigkeit ist nicht das Problem, eher das RAM, da kommt bei gar vielen offenen Programmen eine Meldung mit der Bitte, doch Programme zu schliessen … und wenn man das Navigationsprogramm im Hintergrund vergisst, ist der Batterieverbrauch naturgemäss hoch, aber über solche Dinge kann ich als Benutzer entscheiden.
Der Mann spricht mir aus der Seele ! Ich habe mein iPhone bereits wieder ver-eBayt, den es ist im beruflichen Umfeld aufgrund der beschriebenen Mängel einfach untauglich. Jetzt nutze ich mein altes TimeSystem mit Papier und Bleistift weiter und bin nah dran, wieder ein MP2100D zu besorgen.
So, ich verwende jetzt den Pocket Informant seit geraumer Zeit und kann ihn uneingeschränkt empfehlen. Inzwischen ist er performant und stabil, er verdient jetzt den Slogan “Ein Kalender, wie ein iPhone Kalender hätte werden sollen”.
Was ich leide noch immer nicht gefunden habe, ist ein GTD-App, das es erlaubt, Aufgaben zwischen verschiedenen iPhones zu sharen. Für Einkaufslisten haben wir so etwas – Grocery Gadget. Wirklich sehr empfehlenswert….
Ralf
Hej zusammen!
Mir geht das ziemlich ähnlich: auf dem Newton ist war die Welt noch in Ordnung. Ich habe ihn sogar noch, nur nutzen tu ich ihn kaum. Aber wie der durchdacht war, ist heute noch wegweisend. Das iPhone bremst mich alle Naslang aus und ich muß ständig überlegen, obwohl ich es schon seit vier Monaten habe. In der Zeit wußte der Newton schon, was ich wollte, bevor ich es geschrieben hab. Allein schon der haúseigene Kalender des iPhones ist eine Zumutung. So was unübersichtliches habe ich schon lang nicht mehr gesehen. Und erst die Eingabe! Ich muß + drücken und dann das Feld, in dem ich schreiben will, um dann wieder zu bestätigen und und und….. Beim Newton: Kalender auf, Tag aufrufen, an dem der Termin stattfindet. An dieser Stelle schreibe ich einfach, was ich will und gut ist. Wenn ich dann noch geweckt werden will, hol ich mir das Optionenfenster und wähle die Zeit aus. Appel hat richtig nachgelassen. Völlig bescheuert. Ich tendiere doch wieder zum Treo….
Gruß,
Sonja
PS: Ich hab sie fast alle! Newton Message Pad, MP130, MP2100D! Immer wieder schön….
Wow, das klingt ja fantastisch!
Ich bin nicht sicher ob ich es will, das eine App die “Allways On” ist und Daten unkontrolliert durch die Gegend schicken kann, vollen Zugriff auf meine Termine, Aufgaben und Kontakte hat.
Gruß,
Stefan.
An den Zustand wirst du dich gewöhnen müssen, die Rechnerleistung wandert zusehens in die Cloud.
Ich gründe gerade ne neue Firma und es ist ne einfache Rechnung, dass ein eigener Exchange-Server zu teuer ist. Also miete ich mir entsprechende Kapazitäten, was auch dazu führt, dass ich die Kosten direkt vom Umsatz abziehen kann (statt irgendwelcher Abschreibungen zu machen). Ich muss mich um nix kümmern, das läuft einfach.
Dass dabei meine Daten durch die Hände von Dienstleistern gehen ist mir klar – das hat mit Vertrauen zu tun. Und DU weißt bestimmt auch nicht, dass jede deiner Überweisungen (egal ob online oder nicht) über amerikanische SWIFT-Computer gehen, oder?
Ralf *übrigens Datenschutzbeauftragter
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