Langsame «Jungle Disk»-Datensicherung
Samstag, 8. März 2008 um 3:35 UhrVor einigen Wochen nahm ich die Datensicherung mit «Amazon S3» und «Jungle Disk» unter die Lupe. In der Zwischenzeit haben sich die damals beschriebenen Schwächen von «Jungle Disk» bestätigt, dass heisst «Jungle Disk» bleibt in Ergänzung zur lokalen Datensicherung mit «Time Machine» zwar empfehlenswert, aber man muss bereit sein, die (noch) bestehenden Macken von «Jungle Disk» zu akzeptieren …

Negativ ins Gewicht fällt vor allem die langsame Geschwindigkeit, mit der «Jungle Disk» die zu sichernden Daten an «Amazon S3» überträgt. Die verfügbare Geschwindigkeit für das Hochladen von Daten ins Internet ist bei den heute üblichen asynchronen Verbindungen per xDSL und Kabel-TV bereits bescheiden, doch kann selbst diese von «Jungle Disk» häufig nicht ausgenützt werden – gerade viele kleine Dateien lassen die Geschwindigkeit regelrecht einbrechen. Ist «Jungle Disk» ausnahmsweise in der Lage, die verfügbare Geschwindigkeit auszunützen, blockiert das Hochladen das Herunterladen von anderen Daten, so dass beispielsweise das Surfen im World Wide Web nur noch mit spürbaren Verzögerungen möglich ist. Für diesen Fall wäre es hilfreich, wenn die Geschwindigkeit während dem Hochladen angepasst werden könnte.

Die langsame Geschwindigkeit stört in erster Linie beim erstmaligen Hochladen von Daten. Da danach nur noch neue oder geänderte Daten hochgeladen werden müssen und «Jungle Disk» im Hintergrund arbeitet, ist das Geschwindigkeitsproblem im Benutzeralltag weniger störend. Problematisch ist beim erstmaligen Hochladen von grösseren Datenmengen hingegen, dass während dieser Zeit keine Datensicherung für die bereits einmal hochgeladenen Daten erfolgt, das heisst «Jungle Disk» erstellt insbesondere keine Versionen von geänderten oder gelöschten Daten.
Im Bezug auf das Hochladen in jedem Fall hilfreich ist das kostenpflichtige «Jungle Disk Plus»-Angebot für 1 USD pro Monat (plus Gebühren für die Datenübertragung via «Jungle Disk Plus»), da sich damit die zu übertragende Datenmenge weiter reduzieren lässt. «Jungle Disk Plus» erlaubt unter anderem, dass das Hochladen von grossen Dateien nach einem Verbindungsunterbruch nicht wieder neu begonnen werden muss («Resume») und dass geänderte Dateien nicht vollständig, sondern nur im Rahmen der tatsächlichen Änderung hochgeladen werden müssen («Block-Level File Update»).

Apropos «Kosten»: Gerne geht vergessen, dass «Amazon S3» nicht nur für das Speichern und Übertragen von Daten Gebühren in Rechnung stellt, sondern auch für Anfragen («Requests»). Dabei sind vor allem die Gebühren für PUT und LIST von Bedeutung, sprich das Hochladen von vielen kleinen Dateien ist verhältnismässig teuer.

Die zweite grosse Schwäche von «Jungle Disk» ist die Benutzeroberfläche, zumindest auf dem Mac, wo sie sichtbar von der üblichen «Mac-Likeness» abweicht. Dazu zählt unter anderem, dass sich immer nur ein Fenster von «Jungle Disk» öffnen lässt und dass das Schliessen, Verstecken, usw. von Fenstern häufig nicht funktioniert. Weiter nistet sich «Jungle Disk» mit einem qualitativ bescheidenen Symbol im «Dock» ein und lässt sich anders als beispielsweise «Time Machine» nicht (auch) über die Menüleiste nutzen.
Immerhin: Die angekündigte 2er-Version von «Jungle Disk» soll Fortschritte in Sachen «Mac-Likeness» bringen, auch wenn davon auszugehen ist, dass «Jungle Disk» weiterhin in erster Linie ein Microsoft Windows-Programm mit einer Mac-Variante bleiben wird.
Im Ergebnis bleibt «Jungle Disk» wie oben erwähnt empfehlenswert, zumal ernsthafte Alternativen vorläufig noch fehlen. Die langsame Geschwindigkeit beim Hochladen stört vor allem beim erstmaligen Hochladen von Daten und die abschreckende Benutzeroberfläche muss man sich zum Glück nicht allzu häufig ansehen, da «Jungle Disk» primär im Hintergrund läuft …
Samstag, 8. März 2008 um 10:45 Uhr
Hast Du schon alternativ Transmit, Interarchy oder ForkLift (1.5b4) im Kontext mit S3/Amazon, was Verbindungsgeschwindigkeiten angeht, ausprobiert? Mit Transmit geht’s auch ohne Probleme automatisiert mit Automator und iCal. Wahrscheinlich mit den anderen auch, das habe ich aber noch nicht versucht …
Samstag, 8. März 2008 um 11:28 Uhr
All die FTP-Programme mit Amazon S3-Unterstützung bieten leider nicht den gleichen Komfort wie «Jungle Disk» – insbesondere können sie die Daten nicht verschlüsseln … und das grundlegende Programme der langsamen Datenübertragung via Internet und an «Amazon S3» können diese Programme vermutlich auch nicht lösen, «Transmit» jedenfalls kann es meiner Erfahrung nach nicht.
Sonntag, 9. März 2008 um 18:01 Uhr
Die Performancekritik ist in der Einzelfallperspektive zwar durchaus berechtigt, sollte aber im relativen Vergleich zu anderen Backup-Diensten klar als positiv auch herausgehoben werden: Die JungleDisk bietet oftmals nicht das kostengünstigste, wohl aber meist das beste Preis-Leistungsverhältniss im Bezug auf Performance - andere grosse Namen in diesem Dienstleistungssektor sind nach wie vor nicht in der Lage (…schade aber auch…) die Performance von JungleDisk/AmazonS3 zu bieten.
Montag, 10. März 2008 um 9:20 Uhr
Sofern die JungleDisk auch auf WebDAV basiert, ist Mac OS X eindeutig der Engpass.
Die iDisk selbst ist unter Windows, bei gleicher Leitung, schneller.
Montag, 10. März 2008 um 9:26 Uhr
«Jungle Disk» verwendet tatsächlich WebDAV, allerdings «nur» für die lokale Repräsentation der Daten, die bei «Amazon S3» liegen. Die automatische Datensicherung mit dem Hochladen funktioniert auch ohne WebDAV (in früheren BETA-Versionen stürzte der WebDAV-Server teilweise ab, doch die Datensicherung lief problemlos weiter).
Montag, 10. März 2008 um 9:55 Uhr
Toller Tipp! Ich verwende JungleDisk jetzt auch. Es stimmt, das Programm ist hässlich und der Upload Internet-typisch lahm, aber immerhin!
Samstag, 19. April 2008 um 22:41 Uhr
und ich habe wirklich keine Möglichkeit irgendwie über den Browser an meine Daten zu kommen ? z.B. wenn ich an einem Client auf der Arbeit sitze ? Ich bin also immer auf das Programm Jungle Disk oder eben Transmit angewiesen ?
Klärt mich da wer auf ?
Gruß der Lotz
Samstag, 19. April 2008 um 23:05 Uhr
«Jungle Disk Plus» ermöglicht den Web-Zugriff – allerdings natürlich mit Einbussen bei der Sicherheit … für den Zugriff auf «Amazon S3» kann man jedes kompatible Programm verwenden, es gibt beispielsweise auch Mozilla Firefox-Erweiterungen für diesen Zweck (S3Fox zum Beispiel, https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/3247).
Das Grundproblem bei «Amazon S3» liegt darin, dass es kein offzielles Format gibt um Verzeichnisstrukturen abzulegen, so dass viele Programme, darunter bislang auch noch «Jungle Disk», ein eigenes Format verwenden. Immerhin legt «Jungle Disk» dieses Format offen, so dass man zur Not auch ohne «Jungle Disk» noch an seine Daten kommt.